Wo eine Tür wirklich undicht wird und was dagegen hilft

Eine Außentür wird nicht an einer Stelle undicht, sondern an drei, und die drei haben nichts miteinander zu tun: die Dichtung im Falz zwischen Türblatt und Rahmen, die Schwelle, und die Anschlussfuge zwischen Rahmen und Laibung. Die Luftdurchlässigkeitsklasse 1 bis 4 nach DIN EN 12207, die in der Leistungserklärung steht, beschreibt nur die erste dieser Zonen — und sie beschreibt sie an einem Prüfmuster, das im Prüfstand in einen steifen Prüfrahmen gesetzt wurde. Was danach in der Wand passiert, ist Montage. Wer eine undichte Tür sucht, muss deshalb alle drei Zonen einzeln abfragen, denn jede hat ihre eigene Norm, ihre eigene Fehlerart und ihr eigenes Werkzeug.

Februar, Westwind, sechs Grad. Ich knie auf dem Fliesenboden vor einer Haustür, zwölf Jahre alt, und die Leute im Haus sagen: es zieht. Ich sage erst mal nichts, sondern mache drei Dinge, in dieser Reihenfolge: Handrücken an die Laibung, Ohr an den Falz auf der Bandseite, Zollstock in die Falzluft. Nicht die Handfläche — der Handrücken spürt einen feinen Luftstrom früher, weil die Haut dort dünner ist. Nach zwei Minuten habe ich drei Verdachtsstellen und noch keinen Beweis. Das ist der ganze Trick an dieser Reihenfolge: die Zonen erst auseinanderhalten, bevor ich anfange zu schrauben. Ich habe es jahrelang umgekehrt gemacht. Sofort die Dichtung angeschaut, sofort nachgestellt, und am Ende war die Tür genauso undicht wie vorher, weil das Problem woanders saß.

Zone eins: der Falz, für den es ein Papier gibt

Hier geht es um die Dichtung zwischen Türblatt und Rahmen. Umlaufend um den Falz, an drei Seiten, an der vierten macht die Schwelle die Arbeit. Als Anschlagdichtung in den Rahmen genutet oder als Überschlagdichtung auf das Blatt gezogen, je nach System.

Die Klasse nach EN 12207 sagt, wie viel Luft dieses Element im Prüfstand durchlässt, Klasse 4 am wenigsten. Wer das wissen will, schaut in die Leistungserklärung, nicht in die Ladenbeschreibung. Was die Zahl nicht sagt: ob die Dichtung in deiner Laibung noch angepresst wird. Der Prüfrahmen ist steif. Deine Laibung ist es nicht, und dein Band ist ein bewegliches Teil, das nach ein paar Sommern ein halbes, ein ganzes Millimeter anders steht.

Eine Dichtung dichtet nur, solange sie gedrückt wird. Der Anpressdruck kommt nicht von der Dichtung, sondern von der Position des Blattes im Rahmen. Das lässt sich mit dem billigsten Werkzeug prüfen, das ich kenne: Papierstreifen zwischen Blatt und Rahmen legen, Tür schließen, ziehen. An vier Stellen — oben, unten, Bandseite, Schlossseite. Rutscht der Streifen ohne Widerstand heraus, drückt dort nichts. Eine Fühlerlehre tut dasselbe in Zahlen.

Was ich dabei zuerst in die Hand nehme, ist nicht die Dichtung, sondern das Blatt. Hängt es schief, wurde es beim Einbau zu stramm gestellt, hat sich das Haus gesetzt — dann ist die Dichtung unschuldig und das Einstellen an den Bändern die halbe Arbeit. Und was ich dann in die Finger nehme: das Profil selbst. Drücke ich mit dem Daumennagel hinein und es kommt nicht zurück, ist es hart. Eine harte Dichtung dichtet nur noch, wenn man sie fast zerdrückt, und dieses Spiel hat keine Tür.

Zone zwei: die Schwelle, wo zwei Regeln um dieselben zwei Zentimeter streiten

Die Schwelle ist die Stelle, an der Luftdichtheit und barrierefreier Zugang sich um dieselben Zentimeter streiten. DIN 18040 will den Übergang so flach wie möglich, in der Praxis nicht höher als zwei Zentimeter, und abgerundet, damit Gehhilfe oder Rollstuhl nicht hängen bleiben. Luftdichtheit will Kontakt und Pressung. Das sind fast Gegensätze, und genau deshalb fällt die Schwelle am häufigsten aus.

Der übliche Kompromiss ist die absenkbare Bodendichtung. Sie senkt sich beim Schließen ab und legt sich auf den Boden, beim Öffnen hebt sie sich an, damit niemand stolpert. Sie funktioniert — eine Weile. Sie sitzt am tiefsten Punkt der Tür, wo der Sand liegt, den die Schuhe hereintragen, und irgendwann senkt sie sich nicht mehr ganz ab oder gar nicht mehr. Man merkt es nicht, weil sich nichts verändert hat, was man sähe.

Dazu kommt die Außenseite. Ein Profil auf der Schwelle dichtet nur, solange das Wasser oben nicht stehen bleibt. Ist der äußere Abschluss nicht entwässert, liegt die Dichtung im Nassen, und im Januar friert sie. Eine gefrorene Dichtung ist keine Dichtung. Und der Sand von draußen arbeitet an der Lippe.

Das Tückische an dieser Zone ist, wie sie sich anfühlt. Ein Leck in der Schwelle spürst du nicht mit der Hand am Rahmen, du spürst es am Fuß. Ein Kaltluftsee auf dem Boden, zwanzig, vierzig Zentimeter hinter der Tür, im Winter deutlich, im Sommer nicht vorhanden. Das ist die Undichtigkeit, die am hartnäckigsten der Falzdichtung zugeschrieben wird, weil man beim Suchen nach oben schaut und nicht nach unten. Und bei Winddruck wird der Effekt größer: dieselbe Ritze zieht bei vier Windstärken auf der Fassade ganz anders als bei Windstille.

Zone drei: die Anschlussfuge, die fast niemand auf dem Zettel hat

Zwischen Rahmenhinterkante und Laibung liegt die Fuge, die die Montage macht und die nach RAL in Schichten aufgebaut wird. Außen eine Schlagregensperre, wasserdicht und dampfdurchlässig. In der Mitte die Dämmung. Innen die Luftdichtheitsebene, dampfbremsend, mit dem Rahmen und mit der Wand verklebt und nicht nur hineingeschoben.

Die Luftdichtheit macht die innere Schicht. Nicht der Schaum. Der Schaum ist die mittlere, die dämmende Lage. Er sieht dicht aus, und ein Stück weit ist er es auch, aber er ist nicht die Ebene, die die Norm meint, und er hat an der Wand und am Rahmen fast immer einen Spalt, durch den die Luft wandert. „Ich habe die Fuge ausgeschäumt, das ist dicht" ist der Satz, an dem ich merke, dass Zone drei nicht gebaut wurde. Die Luft geht dann hinter den Rahmen, hinter den Putz, und kommt irgendwo wieder heraus, wo sie keiner erwartet.

Diese Zone ist die einzige der drei, die man nicht sieht. Die Rahmenhinterkante ist verdeckt, nach dem Türbauer kommt der Putzer, und die Fuge zwischen Putz und Rahmen gehört keinem von beiden richtig. Wenn ich im Neubau eine Stelle nennen müsste, an der ich am häufigsten fündig werde, dann wäre es oben und seitlich in der Laibung, an genau dieser Schnittstelle. Und es ist die Zone, die in keiner Türprüfung auftaucht. Ein Element mit Klasse 4 und eine Laibung, an der niemand die innere Ebene gebaut hat: Das Ergebnis pfeift, und das Blatt ist unschuldig.

Die innere Ebene trägt nur, wenn sie durchgehend ist. Drei Zentimeter Unterbrechung in der oberen Ecke nehmen die ganze Seite mit. Und sie trägt nur, wenn sie auf beiden Seiten wirklich klebt, am Rahmen und am Mauerwerk.

Warum eine undichte Fuge immer auch eine kalte Fläche ist

GEG und DIN 4108 behandeln den Türbereich als Teil der wärmeübertragenden Hülle. Der Ud-Wert im Datenblatt beschreibt das Element. Die Fuge daneben beschreibt niemand, und sie ist gleichzeitig Luftweg und Wärmebrücke. Luft, die durch eine Ritze strömt, kühlt auf dem Weg die angrenzenden Oberflächen. Die Innenecke der Laibung wird kalt. Kalte Fläche, höhere relative Feuchte direkt an der Oberfläche, und irgendwann Taupunktunterschreitung. Erst sieht man nichts, dann einen dunklen Rand, und keiner verbindet den Rand mit dem Zug, der zwei Winter vorher da war.

Und die Zugluft selbst ist kein Sommerphänomen. Dieselbe Ritze, die im Juli nichts bewegt, zieht im Januar, weil der Temperaturunterschied arbeitet. Deshalb ist eine undichte Haustür im Winter ein anderes Erlebnis als im Sommer, und deshalb wird sie im Sommer auch so gern vergessen.

Suchen, in dieser Reihenfolge

Die Blower-Door-Messung nach DIN EN ISO 9972 prüft die ganze Hülle und findet den Eingangsbereich oft. Was sie nicht liefert: welche der drei Zonen schuld ist. Sie gibt eine Zahl — in der Praxis die 3 h⁻¹, an denen sich Gebäude ohne Lüftungsanlage messen lassen müssen — und einen Anfangsverdacht. Wenn das Gebläse noch läuft, gehe ich mit einem Rauchstift oder einem Nebelgerät an die verdächtigen Stellen und sehe, wo es zieht. Ohne Gebläse brauche ich einen Tag mit echtem Druckunterschied, also Wind. Bei Windstille spürt die Hand gar nichts, und dann wird die Tür für dicht erklärt.

Die Wärmebildkamera hilft, aber nur mit Temperaturunterschied. Ohne mindestens zehn, fünfzehn Kelvin zwischen innen und außen, ohne Sonne auf der Fassade und bei wenig Wind zeigt sie nichts Verlässliches. Und sie zeigt Kälte, nicht Ursache: Ein kühler Streifen an der Laibung kann die Undichtigkeit sein oder die Leitfähigkeit des Rahmens. Ein Endoskop durch ein kleines Loch sagt mir über die Schichtung in der Fuge mehr als jedes Bild von außen.

Was hilft, und was nur beruhigt

Zone eins ist die billigste. Bänder nachstellen, Schließblech nachstellen, Dichtung tauschen. Eine halbe Stunde Arbeit, und die Tür schließt danach wieder mit Widerstand.

Zone zwei ist ein Verschleißteil. Eine absenkbare Bodendichtung ist irgendwann fertig und wird ersetzt, und dazu kommt der äußere Wasserweg. Silikon auf der Schwelle hilft nicht, es hält das Wasser.

Zone drei ist die teure und deshalb die, die fast nie gemacht wird. Es gibt keinen Weg außer: den inneren Abschluss öffnen, die innere Ebene durchgehend herstellen, verkleben, wieder verschließen. Schaum auf Schaum ist keine Reparatur.

Was ebenfalls nicht hilft: eine zweite Dichtung über die erste setzen, um mehr Druck zu bekommen. Sie erhöht die Pressung, die Tür geht schwerer zu, und im nächsten Winter steht das Blatt schief. Und die Bänder einfach fester ziehen — dann verliert die andere Seite.

Und die Grenze der ganzen Übung: Eine Außentür soll nicht völlig dicht sein. Ein Haus braucht Luftwechsel, über Fensterlüftung oder eine Anlage. Wer den Eingang auf null abdichtet und nicht lüftet, holt sich die Feuchte von der anderen Seite ins Haus. Dicht gegen Luft ist außerdem nicht dasselbe wie dicht gegen Schlagregen; eine Außentür braucht beides, und die Fuge wird außen anders gebaut als innen.

Was ich vorher aufschreibe

Bevor ich eine Außentür bestelle oder eine Montage abnehme, steht bei mir auf dem Zettel:

  • die Klasse nach EN 12207 aus der Leistungserklärung, nicht aus der Beschreibung
  • die Anschlagseite, weil sie über die Bandseite entscheidet
  • wie die Schwelle gebaut wird und ob der flache Übergang gefordert ist
  • ob in der Montage die innere Luftdichtheitsebene enthalten ist. Steht sie nicht im Angebot, wird sie nicht gebaut. Dann wird geschäumt, und dann ist Zone drei offen.

Was ich nach ein paar Wintern mache: noch einmal mit der Hand am Boden entlang. Die Bänder und die Dichtungen geben nach, das ist normal. Wichtig ist nur, dass ich weiß, welche Zone ich gerade nachstelle, und nicht wieder bei der Falzdichtung anfange, weil sie am leichtesten zu erreichen ist.